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Wenn man sich in der Welt umschaut, könnte man meinen, die Wahrheit habe es ziemlich schwer: In den USA wurde Donald Trump trotz unzähliger Lügen und Falschaussagen wiedergewählt, Verschwörungserzählungen sind trotz Faktenchecks nicht totzukriegen, Populist*innen gewinnen in ganz Europa an Zustimmung. Wie kann das sein? Ist die Wahrheit noch zu retten?
Bezeichnung: Sie ist umkämpft, umstritten und immer in Gefahr: die Wahrheit. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht vor Desinformation gewarnt wird. Und doch sind alle grundsätzlich anfällig dafür, die Unwahrheit zu glauben, egal, wie sehr man sich anstrengt. Und das liegt nicht daran, dass es so etwas wie Wahrheit gar nicht gibt, sagt Romy Jaster, Philosophin an der HU Berlin: Schließlich könnte man bei der Frage „Ist der Mond aus Käse?“ durchaus sagen, welche Antwort wahr ist.
Dass Menschen trotzdem an die Unwahrheit glauben, liegt daran, dass das Gehirn evolutionär gesehen ganz andere Aufgaben hat, sagt der Neurowissenschaftler Philipp Sterzer von der Universität Basel. Er erklärt: Unsere Überzeugungen sollen uns in erster Linie beim Überleben helfen und uns vor teuren Fehlern bewahren. Ob sie der Wahrheit entsprechen, sei zweitrangig. Zum Beispiel, dass man Gefahren sieht, wo keine sind. Oder aus Gründen des sozialen Zusammenhalts, dass man eher das glaubt, was die eigene soziale Gruppe für wahr hält. Tatsächlich gibt es viele solcher systematischen Fehleinschätzungen, sogenannte Biases. Das sind Verzerrungen im Urteilsvermögen, die bei allen Menschen gleich funktionieren. Zum Beispiel der Confirmation Bias: Menschen glauben eher Aussagen, die zu ihren eigenen Überzeugungen passen. Und: Alle Menschen sind anfällig für eine gute Geschichte. „Weil der Mensch sein ganzes Leben lang Ereignisse in Geschichten einordnet“, sagt die Germanistin Petra Sammer, „kann es leicht passieren, dass wir der Unwahrheit auf den Leim gehen, wenn sie in Form einer guten Geschichte daherkommt.“
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